Mittwoch, 14. Oktober 2009
Kanononisierung 04
Montag, 7. September 2009
Kanonisierung 3
Im Laufe der Jahre kamen aber noch andere Bücher zum Kanon des AT. dazu. Das waren besonders die Propheten. Wir sehen, dass die prophetischen Bücher mit dem Gesetz in einem Atemzug genannt werden, und daher die gleiche Autorität hatten. In 2. Könige 17, 13 lesen wir. „Der Herr aber ließ die Leute von Israel und ebenso die Leute von Juda durch seine Propheten und Seher warnen. Er ließ ihnen sagen: »Kehrt um; ihr seid auf dem falschen Weg! Lebt nach meinen Geboten! Richtet euer Leben nach den Vorschriften meines Gesetzes, das ich euren Vorfahren gab und das ich euch durch meine Diener, die Propheten, bekannt gemacht habe!« Also haben die Propheten das Gesetz Gottes, das im Tempel aufbewahrt wurde, dem Volk bekannt gemacht. Das bedeutet, dass das Gesetz göttliche Autorität hat - und die Schriften der Propheten, die sich darauf gründen, ebenfalls.
Wenn hier vom Buche des Gesetzes gesprochen wird, so sind damit die 5 Bücher Mose gemeint, die von den Juden auch als Thora bezeichnet werden. Bei den Christen wird dafür der Begriff Pentateuch verwendet - das Fünfbuch. Zu den Propheten gehören 16 Bücher, die über einen größeren Zeitraum nach und nach dem biblischen Kanon zugefügt würden.
Im Neuen Testament bestätigt Jesus, dass das Gesetzbuch und die Propheten zusammen gehören. Er sagt in Luk 24, 44: »Als ich noch mit euch zusammen war, habe ich euch gesagt: Alles, was im Gesetz, in den Schriften der Propheten und in den Psalmen über mich steht, muss in Erfüllung gehen.« Damit hat Jesus das Alte Testament, so wie es damals schon vor lag, als Einheit anerkannt.
Mittwoch, 19. August 2009
Kanonisierung 2
In dem einzigartigen Psalm 119 besingt der Autor die Schönheit und Erhabenheit des geschriebenen Wortes Gottes. Interessant ist dabei, welche Begriffe oder Ausdrücke er verwendet. Er nennt die Bibel: Gesetz, Worte, Rechte, Befehle, Vorschriften, Zeugnisse, Gebote und Urteile - alles verschiedene Aspekte des einen Wortes Gottes.
Nun ist die Bibel für uns ja ein ganz besonderes Buch. In ihr wird der einzige, wahre Schöpfergott offenbart. Durch die Bibel lernen wir Jesus Christus kennen und den gesamten Erlösungsplan Gottes für uns. Sie ist die Grundlage unseres Glaubens, unseres Wandels und unseres Heils. Unsere Einstellung und unser Verhältnis zu diesem Buch ist entscheidend für den Gewinn, den wir aus den Lehren für unser Leben ziehen werden.
Also, über welche Frage unseres Glaubens wir auch sprechen, die Bibel muss die Quelle der Antworten bleiben. Dazu müssen wir sicher sein, dass sie vertrauenswürdig und zuverlässig ist. Wenn es da Zweifel gibt, haben wir keinen sicheren Grund und keine Autorität. Das bedeutet auch, dass wir die Bibel als Gottes Wort annehmen müssen. Wo wir das nicht tun, bleibt alles menschliches Spekulieren.
Wenden wir uns zuerst einmal der Frage zu: Wie wissen wir, dass die ganze Bibel Gottes Wort ist? Immer wieder wurde ja auch vonseiten der Kritiker angedeutet, dass die Bibel zwar Gottes Wort enthält, aber nicht alles wirklich Gottes Wort sei. Aufgrund dieser Annahme sind Wissenschaftler gekommen, die versucht haben heraus zu finden, welche Teile der Bibel nun Gottes Wort sind - und welche nicht. So haben sie jedes Buch, jedes Kapitel, jede Geschichte, jede Aussage unter die Lupe genommen und beurteilt. Die Ergebnisse der einzelnen Schulmeister waren sehr unterschiedlich. Auch hatte jeder eine andere Begründung, warum dieser oder jener Teil der Heiligen Schrift nicht zur Bibel gehören könne. Eine große Verunsicherung und Misstrauen entstand dadurch in der christlichen Kirche dem Wort Gottes gegenüber. Wir müssen entweder die ganze Bibel anerkennen oder sie ganz verwerfen. Der Mensch kann sich nicht zum Richter über die Autorität der Heilige Schrift erheben.
Wie wissen wir aber, dass die ganze Bibel als Wort Gottes zu verstehen ist? Die Antwort ist: durch die Kanonisierung. Das ist ein Prozess bei dem die einzelnen, bereits bestehenden Bücher und Schriften in die Bibel aufgenommen wurden. Einmal als dazugehörend anerkannt, sind sie Teil der gesamten Offenbarung Gottes und haben alle die gleiche Autorität.
Das Wort Kanonisierung kommt von Kanon. Ein Kanon ist heute ein mehrstimmiges Lied. Seine ursprüngliche Bedeutung ist aber eine andere. Zunächst ist ein Kanon ein Zollstock oder Maßstab. Im übertragenen Sinne wäre das: Norm oder Regel. Wenn wir bei der Bibel von einem Kanon sprechen, dann meinen wir so etwas wie einen Katalog oder eine Liste. Die verschiedenen Bücher der Bibel, wie die Propheten, die Psalmen, die Evangelien oder Briefe der Apostel gehören zu der anerkannten Liste der Heiligen Schrift.
Montag, 3. August 2009
Kanonisierung
Sonntag, 22. März 2009
Internetradio
Radioarbeit - Wer macht sie?
Es gab eine Zeit, da waren Radioprediger eine besondere Art von Verkündigern. Sie saßen oder standen in einem Studio und sprachen ihre Texte auf. Zu ihrer Ausbildung gehörte nicht nur Theologie, Rhetorik und Homiletik, sondern auch etwas Einführung in Studiogeräte, Mikrophone und Aufnahmetechnik. Im sterilen Studio hinter dem Mikrophon versuchten sie, sich ihre Hörerschaft vorzustellen und möglichst deutlich, verbindlich und natürlich zu sprechen. Wichtig war auch, dass sie den Einzelnen ansprechen und nicht die große Masse, wie im öffentlichen Reden. Ihre Predigten waren säuberlich aufgeschrieben. Die Manuskripte wurden auf Wunsch an die Hörer geschickt. An Planung und Formulierung hatte der Autor oft lange gearbeitet. Besondere Mühe verwendete er darauf, die Texte so zu schreiben, als wären sie frei gesprochen. Also: kurze Sätze, Umgangssprache, keine Fremdworte. So haben wir jetzt fast 30 Jahre lang Radio gemacht. Die Manuskripte sind noch fast alle in meinen Archiven. Mit den neuen Medien wie CD, MP3-Spieler, Computer (Internet Radio) und iPod ist auch eine neue Art der Verkündigung über Massenmedien entstanden. In Deutschland war es seit Ende des 2. Weltkrieges nicht möglich, Genehmigungen für private christliche Radiosender zu bekommen. Manche reichen Leute haben es versucht. Selbst der ERF und andere deutsche Radiomissionen konnten jahrzehntelang nur aus dem Ausland (Monaco, Luxemburg) senden. Es scheint weiterhin unmöglich, als Ortsgemeinde oder Privatperson einen christlichen UKW-Sender zu betreiben, eine Einschränkung, die man sich in anderen Ländern überhaupt nicht vorstellen kann. Allein in Argentinien gab es schon vor langer Zeit über 1000 UKW-Sender, von freien Gemeinden unterhalten. Bürgerfunk und offener Kanal können in einigen Bundesländern genutzt werden, aber die Umstände erlauben nur selten eine beständige Arbeit.
Eine neue Möglichkeit hat sich durch das Internet ergeben. Hier kann man ohne Antenne, Sender und teure Studiogeräte, ohne Frequenzzuteilung und Genehmigung einfach “senden”. So sind eine Reihe christlicher Internetradios entstanden. Einige von ihnen senden Tag und Nacht, andere übertragen Programme in mehreren Sprachen. Manche verwenden nur Aufzeichnungen (also aus der Konserve) und andere haben auch life-segmente mit Moderation dabei.
Eine große Herausforderung für jeden Sender ist auch der Inhalt oder das Programm. Was soll man 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr senden? Da entsteht ein ungeheurer Bedarf an guten Inhalten, wozu man einen großen (teuren) Mitarbeiterstab braucht. So viele “Radioprediger” gibt es gar nicht. Also greifen die Betreiber auf vorhandenes Material zurück. Sie durchstöbern Gemeindearchive nach den Mitschnitten der Sonntagspredigten, sie fragen bei Bibelschulen an, bitten um Aufnahmen bei Seminaren und Bibelstunden. Was dabei heraus kommt, sind Vorträge oder Predigten, die im Gottesdienst in der eigenen Gemeinde, oder auf einer Konferenz, einem Seminar oder einer kleinen Hausveranstaltung gebracht wurden.
Diese Aufnahmen sind technisch oft sehr mangelhaft. Die Mikrophone waren billig und schlecht, die Aufnahmegeräte gerade mal gut genug für den Hausgebrauch, das Bandmaterial z.T. alt und mehrfach schon gelöscht, die Akustik und das Umfeld ungeeignet, Hintergrundgeräusche im Saal oder der Kirche usw. Das alles hätte man in einem normalen Radiosender nicht zugelassen. Dazu kommen noch die private Atmosphäre, die Themen der Vorträge, die oft nur für eine enge Gruppe von Hörern bestimmt sind, die Tatsache, dass der Vortragende sich hin und her bewegt und nicht darauf achtet, wo das Mikrophon steht, die laienhafte Bedienung der Geräte und vieles mehr.
Nun geht man mit diesem Material an die Öffentlichkeit. Aussagen, die im kleinen Kreis von Insidern gemacht wurden, kann jetzt jedermann hören. Menschen, die nie in einen Gottesdienst gehen würden, können sich am Internetradio oder Computer ihre Meinung über die Christen bilden. Das ist einesteils gut, aber andererseits auch gefährlich. Einige Verkündiger sind wirklich brilliant, sie kennen die Bibel und legen sie verständlich aus - aber andere reden (oder schreien) in der berühmten Sprache Kanaans oder in Phrasen, sie geben Allgemeingut weiter, bleiben sehr oberflächlich oder werden aggressiv . Über die Inhalte oder die Theologie der Prediger machen sich die Betreiber des Internet Radios wenig Gedanken - sie können es oft auch gar nicht beurteilen. Aber sie wollen das Evangelium unter die Leute bringen.
Ich habe in letzter Zeit öfter solche Programme in Internetsendern gehört. Manch ein Fachmann würde sagen: “Aber so etwas geht doch überhaupt nicht! Die Qualität ist lausig, der Wortschatz zu fromm, das Thema nicht für die Öffentlichkeit geeignet. Auch die Art des Vortrages passt höchstens in eine homogene Interessengruppe, aber nicht zu einer so breiten, unterschiedlichen Hörerschaft. Hier werden fast alle Fehler begangen, die man in Kommunikation überhaupt machen kann.”
Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass diese Art christlicher Sendungen bestimmt auch viele Menschen erreicht und positiv beeinflusst. Ich jedenfalls, habe mich dabei ertappt, wie ich mich mit hineingenommen fühlte in eine kleine Versammlung in Bayern oder Schwaben, wie ich interessiert zuhörte und manches dabei lernte. Obwohl ich mich selbst zu den Radiopredigern zähle, die nach strengen Regeln arbeiten, so finde ich doch diese neue Methode auch als durchaus effektiv und vielleicht sogar attraktiv für Leute, die übersättigt sind von Perfektionismus und erstklassiger Qualität. Dazu erreichen Prediger kleiner Gemeinden durch das Internet einen viel weiteren Hörerkreis, als sie je erwarten konnten. Hoffentlich kommt die Botschaft des Evangeliums auf diese neue Art zu vielen interessierten Hörern! Das sollten wir dankbar in der Fürbitte bedenken.
Hier einige Adressen von Internetradios
www.bbnradio.org
www.sw-radio.com
www.dwg-radio.net
www.andenstimme.org
Mittwoch, 7. Mai 2008
Das Kommen des Heiligen Geistes - was ist richtig?
Joel 3, 1 – 5 und 4, 1 -13
Der bekannteste Abschnitt aus dem sonst weniger bekannten Buch des Propheten Joel sind sicher die ersten Verse aus dem 3. Kapitel. Diese Worte werden in der Apostelgeschichte von Petrus zitiert, nachdem der Heilige Geist wie Feuerflammen auf die Jünger gekommen war. Das verstehen wir als die Geburtsstunde der Gemeinde Jesu Christi und den eigentlichen Beginn des Neuen Bundes. Wir wollen heute aus dem Buch Joel von Kapitel 3, 1 bis 4, 13 lesen, um den Zusammenhang zu verstehen. Hauptsächlich wird es aber um die Ausgießung des Heilige Geistes gehen, die Joel hier in den ersten beiden Versen ankündigt. Die Frage, die uns dabei am meisten beschäftigen soll ist: Über wen wird der Heilige Geist ausgegossen werden und was wird dadurch entstehen.
1 Weiter sagt der Herr: »Es kommt die Zeit, da werde ich meinen Geist ausgießen über alle Menschen. Eure Männer und Frauen werden dann zu Propheten; Alte und Junge haben Träume und Visionen. 2 Sogar über die Knechte und Mägde werde ich zu jener Zeit meinen Geist ausgießen. 3-4 Dann ist der große und schreckliche Tag nahe, an dem ich Gericht halte. Am Himmel und auf der Erde werden seine Vorzeichen zu sehen sein: Menschen liegen erschlagen in ihrem Blut, Flammen und Rauchwolken steigen auf; die Sonne verfinstert sich und der Mond wird blutrot. 5 Aber alle, die sich zu mir bekennen und meinen Namen anrufen, werden gerettet.« Dann wird geschehen, was der Herr angekündigt hat: »Auf dem Zionsberg in Jerusalem gibt es Rettung - und auch für alle, die unter die Völker zerstreut sind; denn ich rufe sie zurück.«
1 Der Herr sagt: »Wenn die Zeit kommt, dass ich für Juda und Jerusalem alles wieder zum Guten wende, 2 werde ich alle Völker zusammenrufen und sie in das Tal führen, das den Namen trägt Der Herr richtet. Dort ziehe ich sie zur Rechenschaft für das, was sie meinem Volk Israel angetan haben, diesem Volk, das mein Eigentum ist. Sie haben es unter die Völker zerstreut, haben mein Land aufgeteilt1 3 und seine Bewohner durchs Los unter sich verteilt. Mit einem Jungen hat man da für die Nacht bei einer Prostituierten bezahlt, ein Mädchen hat man für den Wein eines Zechgelages verkauft. 4 Ihr Leute von Tyrus und Sidon und ihr Philister alle, ihr wollt gegen mich vorgehen? Ihr wollt euch an mir rächen? Ich habe vielmehr Grund, mich an euch zu rächen! Im Handumdrehen lasse ich eure Untaten auf euch zurückfallen.2 5 Ihr habt mein Silber und Gold weggenommen und meine kostbaren Schätze in eure Paläste gebracht. 6 Die jungen Männer aus Juda und Jerusalem habt ihr an die Griechen verkauft und weit weg von ihrer Heimat in die Fremde geschafft. 7 Aber ich rufe sie von dort zurück und lasse eure Untaten auf euch selbst zurückfallen. 8 Eure eigenen jungen Leute, die Männer und auch die Mädchen, werde ich dann den Leuten von Juda ausliefern und die werden sie weit weg in die Fremde, an die Leute von Saba, verkaufen. Ich habe es gesagt, ich, der Herr. 9 Ruft unter den Völkern aus: Rüstet euch zum Kampf! Stellt eure Truppen auf! Lasst alle eure wehrfähigen Männer antreten und marschieren! 10 Schmiedet aus euren Pflugscharen Schwerter, macht aus euren Winzermessern Speerspitzen! Noch der Schwächste soll erklären: Ich kämpfe wie ein Löwe! 11 Kommt her, ihr Völker, kommt von allen Seiten!« Und wenn sie dort versammelt sind, dann lass, Herr, deine starken Engel gegen sie antreten!3 12 »So sollen die Völker aufgeboten werden und in das Tal mit dem Namen Der Herr richtet ziehen. Dort werde ich auf dem Richterstuhl sitzen und sie zur Rechenschaft ziehen, alle die Völker ringsum. 13 Nehmt die Sichel, die Ernte ist reif! Tretet die Kelter, sie ist bis zum Rand gefüllt! Das Maß ist voll; die Schuld der Völker ist riesengroß.«
II
Diese Worte des Propheten sind mutig und machtvoll. Sie wirken schon ohne irgendeine Erklärung oder Auslegung. Vielleicht sind Dir auch jetzt schon einige Sätze ins Herz gefallen und Du sagst. „Jawohl, so ist es! Sag’s ihnen! Die Ungerechtigkeit muss aufhören.“ Oder „Endlich greift Gott ein! Wie gut, dass wir einen Erretter haben, der die Strafe für uns trug.“ – Der gelesene Abschnitt enthält so manche Gesichtspunkte, die einer näheren Betrachtung oder Ausführung wert wären. Aber ich möchte heute nur die Aussage am Anfang dieses 3. Kapitels beleuchten. Da heißt es: »Es kommt die Zeit, da werde ich meinen Geist ausgießen über alle Menschen. Eure Männer und Frauen werden dann zu Propheten; Alte und Junge haben Träume und Visionen.1 2 Sogar über die Knechte und Mägde werde ich zu jener Zeit meinen Geist ausgießen. 3-4 Dann ist der große und schreckliche Tag nahe, an dem ich Gericht halte.“ – Wer sich ein wenig in der Bibel auskennt wird sich wundern, dass dieser Satz im Alten Testament bei den kleinen Propheten steht. Er kannte ihn doch aus dem Neuen Testament und zwar aus der Apostelgeschichte. Richtig! Dieser Abschnitt wird doch fast an jedem Pfingstfest gelesen, wenn es um den Heiligen Geist geht. Die Worte in der Apostelgeschichte sind tatsächlich ein Zitat aus dem Buch Joel. Petrus wendet die Prophetie an, um den verwunderten Menschen am Pfingsttag zu erklären, was hier geschieht. Es wird nämlich berichtet, dass es plötzlich es ein mächtiges Rauschen gab, wie wenn ein Sturm vom Himmel herabweht. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. 3 Dann sahen sie etwas wie Feuer, das sich zerteilte, und auf jeden ließ sich eine Flammenzunge nieder. 4 Alle wurden vom Geist Gottes erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden, jeder und jede, wie es ihnen der Geist Gottes eingab. 5 Nun lebten in Jerusalem fromme Juden aus aller Welt, die sich hier niedergelassen hatten. 6 Als sie das mächtige Rauschen hörten, strömten sie alle zusammen. Sie waren ganz verwirrt, denn jeder hörte die Versammelten, die Apostel und die anderen, in seiner eigenen Sprache reden. 7 Außer sich vor Staunen riefen sie: »Die Leute, die da reden, sind doch alle aus Galiläa!“ – Alle diese Erscheinungen werden von Petrus mit der Verheißung aus Joel in Verbindung gebracht. Wir kennen dieses Ereignis als die Ausgießung des Heiligen Geistes. Tatsächlich wird ja dieser Begriff auch gebraucht: „»Es kommt die Zeit, da werde ich meinen Geist ausgießen über alle Menschen. Eure Männer und Frauen werden dann zu Propheten; Alte und Junge haben Träume und Visionen.1 2 Sogar über die Knechte und Mägde werde ich zu jener Zeit meinen Geist ausgießen.“
Es ist schon mal sehr hilfreich, dass Petrus die Prophetie mit den aktuellen Ereignissen in Verbindung bringt. Dann können wir uns besser vorstellen, wie so eine Prophezeiung Wirklichkeit wird. Das Verb „ausgießen“ ist ja auch sehr anschaulich. Es erinnert an Wasser, das aus einem Behälter weitflächig verteilt wird. Oder es zeigt, wie das Wasser ein leeres Gefäß füllt. Trotzdem bleiben bei diesen Beschreibungen noch viele Fragen offen, die häufig zu Missverständnissen und Streit unter Christen geführt haben. Dazu möchte ich auch noch etwas sagen.
III
Wenn Joel hier von der Ausgießung des Heiligen Geistes spricht, dann sehen wir im Zusammenhang, dass es eine Folge der Buße ist. Im Buch des Propheten geht es ja einmal um die Heuschreckenplage, die als Gericht über das Volk Israel kommt. Durch dieses Gericht sollen die Menschen auf den Ernst und die Abscheulichkeit ihrer Sünden und Vergehen aufmerksam gemacht werden. Daraus soll dann ihre Buße, die Abkehr von den falschen Verhaltensweisen und Werten im Leben und die Hinkehr zu Gott erfolgen. Das wiederum führt zur Errettung und Bewahrung vor dem endgültigen Strafgericht und dem furchtbaren Tag des Herrn. Die Ausgießung des Heiligen Geistes ist also eine Konsequenz der Buße und Hinkehr zu Gott. Wer sich dem Herrn zuwendet und ihn anruft, wird den Segen Gottes erfahren. Wenn das so ist, dann werden wir verstehen, dass der Heilige Geist nur auf solche Menschen kommen kann, die die Voraussetzungen erfüllen – die also Buße getan haben. Der Prophet sagt zwar, dass „Gott seinen Geist über alle Menschen ausgießen wird.“ Aber es ist selbstverständlich, dass da nicht wirklich alle gemeint sind – jedenfalls nicht solche, die von Gott nichts wissen wollen, die ihr Leben gar nicht ändern wollen.
Andererseits könnte es aber auch sein, dass die Ausgießung des Heiligen Geistes eine Voraussetzung dafür ist, dass Menschen Buße tun können. Ohne den Heiligen Geist kann eigentlich niemand seine Sünde erkennen. Der unerlöste Mensch hört nicht die Stimme Gottes, die ihn in Liebe zur Umkehr und zum Heil ruft. So gesehen müssen wir eigentlich warten, bis Gott seinen Geist ausgießt, damit wir unsere Schuld und Verlorenheit einsehen und nach Vergebung und Rettung suchen können. Wer heute in Europa versucht, Menschen zu Evangelisieren, wird immer an Grenzen stoßen. Es ist, als haben die Leute eine Decke vor den Augen. Sie sehen das Licht und die Wahrheit nicht. Unsere Argumente, Mahnungen, Drohungen und alle Bemühungen zeigen keinen Erfolg. Deshalb haben sich Bewegungen gebildet, die sich weniger an die Mitmenschen, als vielmehr an Gott wenden. Sie setzen ihre Hoffnung auf das Gebet. Also rufen sie zu Gott, dass er den Heiligen Geist in ihrer Stadt, in ihrem Land ausgießen möchte, damit endlich Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und Buße tun.
Jeder dieser beiden Standpunkte findet Unterstützung sowohl in der Bibel, als auch in unserer Erfahrung. Wir müssen vielleicht aufpassen , dass wir die beiden Positionen nicht gegeneinander ausspielen und uns als Christen im Dienst für den Herrn behindern. Wir brauchen sicher beides: Das Flehen um die Ausgießung des Heiligen Geistes, damit die verstockten und verlorenen Menschen Buße tun können und auf der anderen Seite den Ruf zur Buße und Umkehr zu Gott, damit Er Seinen Geist senden und heilen und retten kann.
********
IV
Ich habe mich gefragt, warum der Joel bei der Prophetie über die Ausgießung des Heiligen so viel Wert darauf legt, bestimmte Menschengruppen extra zu nennen. Er sagt ja: „Eure Männer und Frauen werden dann zu Propheten; Alte und Junge haben Träume und Visionen. Sogar über die Knechte und Mägde werde ich zu jener Zeit meinen Geist ausgießen.“ Wir sind in der Auslegung gewohnt, dass hier die Betonung auf den Träumen und Visionen und gewissen Geistesgaben liegt, die mit der Ausgießung des Heiligen Geistes kommen sollen. Aber es kann auch sein, dass Joel seine Betonung darauf legen möchte, dass der Heilige Geist nicht nur Propheten und geistlichen Leitern vorbehalten bleibt. Er wird auch auf Laien, auf Ungelehrte, auf Frauen, Kinder und sogar Knechte und Mägde kommen. Bisher hatten die Israeliten im Alten Testament nur erlebt, dass besonders berufene Personen mit dem Heiligen Geist ausgerüstet wurden. Da waren die großen Propheten Jesaja, Jeremia, Hesekiel, - oder Männer wie Daniel, Mose, Josua, einige Richter, wie Samuel, oder Könige wie Saul, David und Salomo. Der Heilige Geist war nicht für das einfache Volk bestimmt. Es sollte aber ein besonderer Tag kommen, an dem alle Menschen, (oder sollte ich sagen: alle gottesfürchtigen Menschen?) in den Genuss dieser guten Gabe Gottes kommen sollten.
Das Kommen des Geistes wird von Joel als eine geistliche Erweckung verstanden. Der Heilige Geist ermöglicht eine neue, freundschaftliche Beziehung zu Gott. Freude kommt auf an Gott und seinen Gaben. Gott selbst teilt sich auch den einfachen Menschen, dem Volk auf übernatürliche Weise durch Träume und Visionen mit. Die Erweckung bringt das Ende von Formalismus, Heuchelei, widerspenstigem Gehorsam und Ärger über Gottes Gebote.
Die Ausgießung des Heiligen Geistes ist aber auch ein Zeichen dafür, dass das Gericht nahe bevor steht. Es ist vielleicht eine letzte Gelegenheit, sich an Gott zu wenden und um Rettung zu bitten.
Wie so viele andere prophetische Worte der Bibel, so ist auch die Ausgießung des Heiligen Geistes ein Ereignis, das schon geschehen ist, bei der Pfingstpredigt des Apostels Petrus kurz nach Jesu Tod und Auferstehung. Es ist aber auch ein Ereignis, das heute immer wieder stattfindet, wo Menschen sich in Buße, mit der Bitte um Errettung an Gott wenden. Und die Ausgießung des Heiligen Geistes - in einem mehr globalen Sinn - ist ein zukünftiges Ereignis, das das Ende der Welt einleiten wird.
Wir beten:
Herr, danke, dass Du uns den Heiligen Geist sendest, der uns die Kommunikation mit Dir ermöglicht. Gieße diesen Geist auch heute über uns und unsere Mitmenschen aus, damit viele Dich erkennen und bei Dir Heil und Rettung finden Amen.
Samstag, 3. Mai 2008
Ist es immer möglich, Buße zu "finden"?
Der Prophet Joel malt das Strafgericht Gottes mit vielen Worten und Vergleichen recht plastisch aus. Weniger spricht er davon, weshalb das Gericht kommt, bzw. welche Sünden die Menschen begehen. Offenbar ist es ihm sehr wichtig, dass das Volk Buße tut und zu Gott zurück kehrt. Von diesem Gesichtspunkt aus – also von Buße – möchte ich die Verse 12 – 27 aus Kap. 2 noch einmal lesen.
12 »Aber selbst jetzt noch könnt ihr zu mir umkehren«, sagt der Herr. »Wendet euch mir zu von ganzem Herzen, fastet, weint und klagt! 13 Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider!« Ja, kehrt um zum Herrn, eurem Gott! Ihr wisst doch: »Er ist voll Liebe und Erbarmen. Er hat Geduld, seine Güte kennt keine Grenzen. Das Unheil, das er androht - wie oft tut es ihm Leid!« 14 Vielleicht tut es ihm auch diesmal Leid und er lässt auf euren Feldern und Weinbergen wieder eine Ernte heranwachsen. Dann könnt ihr ihm, eurem Gott, wieder Korn und Wein als Opfer darbringen.
15 Blast das Horn auf dem Zionsberg! Ruft einen Fasttag aus, ordnet einen Bußgottesdienst an! 16 Versammelt das Volk und sorgt dafür, dass es rein vor den Herrn tritt! Vom Säugling bis zum Greis sollen alle zusammenkommen. Selbst die Brautleute sollen aus der Hochzeitskammer kommen! 17 Die Priester, die Diener des Herrn, sollen auf dem Platz zwischen Tempel und Altar weinen und beten: »Herr, hab Erbarmen mit deinem Volk! Wir sind doch dein Eigentum! Tu uns nicht die Schande an, dass fremde Völker über uns herrschen. Lass nicht zu, dass Fremde über uns spotten und sagen: Wo ist nun ihr Gott?«3
18 Da erwacht im Herrn die brennende Liebe für sein Land und das Erbarmen mit seinem Volk. 19 Er antwortet ihnen: »Verlasst euch darauf: Ich gebe euch so viel Korn, Wein und Öl, dass ihr euch daran satt essen könnt. Ihr werdet den Völkern nicht mehr zum Spott dienen. 20 Denn ich rette euch vor dem Feind aus dem Norden. Seine Vorhut treibe ich ins Tote Meer und seine Nachhut ins Mittelmeer; sein ganzes übriges Heer jage ich in die Wüste, wo es vernichtet wird. Die Leichen werden die Luft mit ihrem Gestank erfüllen. So bestrafe ich ihn für seine Prahlerei.« 21 Ihr Felder, habt keine Angst mehr, freut euch und jubelt! Der Herr hat Großes getan. 22 Ihr Tiere auf freiem Feld, habt keine Angst mehr! Die Weiden in der Steppe sind wieder grün. Auch die Bäume tragen wieder Frucht; Feigenbaum und Weinstock bringen reichen Ertrag. 23 Ihr Bewohner des Zionsberges, freut euch und jubelt über den Herrn, euren Gott! Er erweist euch seine Güte und schickt euch Regen wie zuvor, Frühregen im Herbst und Spätregen im Frühjahr. 24 Auf den Dreschplätzen häuft sich das Getreide und in der Kelter laufen die Wannen über von Most und Öl. 25 Der Herr sagt: »Ich habe mein großes Heer gegen euch geschickt. Aber jetzt ersetze ich euch die Ernten, die die Heuschreckenschwärme vernichtet haben.5 26 Ihr werdet euch richtig satt essen können. Dann werdet ihr mich, euren Gott, preisen, weil ich solche Wunder für euch getan habe. Nie mehr werden die anderen Völker über mein Volk spotten. 27 Daran werdet ihr Leute von Israel erkennen, dass ich, der Herr, in eurer Mitte bin, dass ich euer Gott bin und sonst keiner. Nie mehr überlasse ich mein Volk der Schande.«
Soweit der Prophet Joel, Kap. 2, 12- 27
Über die positiven Folgen der Buße sprachen wir schon in der vorigen Betrachtung, heute soll es mehr darum gehen, wie wir zur Buße finden können.
II
In der Geschichte des Christentums hat es immer wieder große Erweckungen gegeben. Die erste war in Jerusalem nach der Pfingstpredigt des Apostels Petrus. Dieses Ereignis wird uns ja in Apostelgeschichte 2 folgendermaßen beschrieben: „Als sie aber das hörten, ging's ihnen durchs Herz und sie sprachen zu Petrus und den andern Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun? 38 Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes. Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen.“- Hier also gab es eine große Erweckung die damit begann, dass die Zuhörer Buße taten. In Ecuador gab es in den 70er Jahren große Erweckungen unter den Indianern am Chimborazo. Noch heute sind die Auswirkungen davon zu merken. In der Stadt Quito allein gibt es über 50 evangelische Indianergemeinden. Ganz zu schweigen von den hunderten, die im übrigen Land verstreut sind. Auch in Deutschland gab es solche Erweckungen. Man spricht hier von der Erweckung im Bündener Land. Es gab Zeiten, etwa um 1900, wo die Menschen von sich aus den Pfarrer aufsuchten, ihm ihre Sünden bekannten und Buße taten. Der Pfarrer hatte nichts besonderes dazu beigetragen, aber die Leute standen manchmal Schlange vor seinem Haus. Er führte jeden Abend bis in die Nacht hinein ernste Gespräche mit seinen Kirchenmitgliedern. – Pastor Alcides Jucksch aus Brasilien erzählt, wie er einmal eine Erweckung erlebt hat. Er wohnte damals noch in Deutschland, hatte die Bibelschule abgeschlossen und evangelisierte in verschiedenen Ortschaften. Jucksch bekam eine Einladung nach Hartenrod, einem kleinen Städtchen in Hessen in der Nähe von Marburg. Er schreibt: „Ich fing an wie immer zu predigen und wiederholte die Predigten, die ich schon anderswo gehalten hatte. Aber was war das? Der Besuch nahm immer mehr zu! Da kein größerer Raum in Hartenrod zu haben war, hielt ich meinen ersten Evangelisationsvortrag von 19 – 20 h. Dann gingen die Besucher aus dem Saal und der Saal füllte sich gleich wieder mit Leuten, die draußen gestanden und gewartet hatten. Es kamen auch so viele Kinder zur Sprechstunde, dass ich Hilfe anfordern musste. Die Helferin erzählte mir später, wie auch Kinder eine tiefe Sündenerkenntnis gekommen hatten. Viele, viele Menschen kamen in diesen Tagen zum lebendigen Glauben an Jesus Christus“. Soweit Pastor Jucksch. – In der Mission gibt es immer wieder solche Geschichten, wo ganze Dörfer, Sippen, Volksstämme und weite Gebiete für den Glauben an Jesus erweckt werden. Das hat oft Auswirkungen auf mehrere Generationen und das Wachstum der Gemeinde an andren Orten.
Was mir an fast allen Erweckungsgeschichten auffällt ist, dass zuerst Sündenerkenntnis und Buße stattfinden. Menschen werden plötzlich in ihrem Gewissen getroffen, erkennen ihre Schuld und Sünde vor Gott und bitten um Vergebung. Was da wirklich passiert ist, ist nicht leicht zu erklären; denn die Leute wussten sicher schon lange, dass sie Sünder waren. Sie hatten wohl auch schon viele Predigten gehört. Doch plötzlich wird die Botschaft lebendig, sie erkennen sich im Licht Gottes und bekommen das Verlangen nach Vergebung und Versöhnung mit Gott. So etwas sehen wir ja auch im Buche des Propheten Joel. Das zentrale Thema seiner Reden ist: „Tut Buße.“ Er wendet dazu all seine Überzeugungskraft an. Vor allem erklärt er seinen Landsleuten, dass Gott Katastrophen und Gerichte kommen lassen wird. Ja, manche Plagen, wie die Heuschreckenplage, bringen das Volk jetzt schon in große Not. Die ausführliche Beschreibung der Gerichte Gottes und ihrer Folgen haben das einzige Ziel, die Menschen zur Umkehr und Hinkehr zu Gott zu bewegen. Fast flehentlich ruft er: „Selbst jetzt noch könnt ihr zu mir umkehren«, sagt der Herr. »Wendet euch mir zu von ganzem Herzen, fastet, weint und klagt! 13 Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider!« Ja, kehrt um zum Herrn, eurem Gott! Ihr wisst doch: »Er ist voll Liebe und Erbarmen. Er hat Geduld, seine Güte kennt keine Grenzen. Das Unheil, das er androht - wie oft tut es ihm Leid!« 14 Vielleicht tut es ihm auch diesmal Leid und er lässt auf euren Feldern und Weinbergen wieder eine Ernte heranwachsen.“ -- Warum, so frage ich mich, muss der Prophet die Menschen so flehentlich bitten, zu Gott umzukehren? Warum muss Gott so drastische Mittel anwenden, um die Leute zur Buße zu bewegen?
III
Offenbar ist es sehr schwer, Schuld zu bekennen und Buße zu tun. Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Man kann es aber auch in der Familie, in der Gemeinde oder in der Gesellschaft beobachten.
Warum fällt es so schwer?
1.- weil es eine Demütigung ist. Das Deutsche Volk hat unter Hitler furchtbare Verbrechen und Grausamkeiten begangen. Aber die nachfolgenden Regierungen haben die Fehler zugegeben und Buße getan. Viele andere Nationen haben auch Völkermord begangen, aber sie geben ihre Sünde nicht zu. Bei einer öffentlichen Buße muss man seine Fehler vor anderen nennen und zugeben. Man muss von sich selber einsehen, dass man egoistisch, rücksichtslos und schlecht war. Dadurch sinkt das Selbstwertgefühl, man verachtet sich selber. Aber auch andere verachten einen wegen der Sünden und Fehler. Es demütigt uns, unser Versagen zu zu geben.
2.- weil es uns verletzlich macht. Bei einer Buße gibt man sich ja der Verachtung oder der Wut anderer Leute preis. Es ist nicht immer so, dass die Umwelt es schätzt, wenn sich einer zu seiner Schuld bekennt. Oft nutzen die lieben Geschwister, die Kollegen und vor allem die Neider und Feinde das Schuldbekenntnis, um einen zu verletzen. Sie machen dann gern eine große und furchtbare Sache von der Sünde malen sie aus, treten sie breit und freuen sich, weil sie uns überlegen sind. Natürlich gibt es auch Menschen, die das Eingeständnis von Schuld sehr zu schätzen wissen. Sie bewundern jeden, der den Mut hat, zu seinen Verfehlungen zu stehen. Es ist für sie ein Zeichen von Ehrlichkeit, Transparenz und wahrer Größe.
3.- Es fällt uns schwer, Buße zu tun, weil wir so viel Verständnis für unsere eigenen Schwächen und Fehler haben. Was wir vielleicht bei anderen verurteilen, können wir bei uns selbst ganz gut tolerieren. Wir wissen ja, wie sehr wir uns bemüht haben, wie groß die Versuchung war, in welcher Notlage wir gerade waren – so können wir unsere Sünden gut erklären und entschuldigen. Unserer Ansicht nach brauchten wir bestimmt keine Buße zu tun, denn die Sachen, die man uns vorwirft, sind ja doch Lapalien in unseren Augen. Dieses Problem hat Jesus sehr anschaulich angesprochen als er von dem Splitter im Auge des Nächsten und dem Balken im eigenen Auge sprach. Den Balken bei uns selbst, die großen, schweren Verfehlungen, können wir oftmals gar nicht erkennen.
4.- weil man Angst hat. Sünden zu bekennen kann wirklich auch schwere negative Folgen für unser ganzes Leben haben. Auch das Ansehen unserer Familie, des Unternehmens oder der politischen Partei kann dadurch Schaden leiden. Ich erinnere mich noch an jenes sehr seltene Unglück, wo zwei Flugzeuge in großer Höhe zusammen stießen. Viele Kinder kamen damals ums Leben. Natürlich wird dann sofort nach einem Verantwortlichen gesucht. Und es ist ja doch furchtbar, wenn man zugeben muss: „Ich habe Schuld am Tode aller dieser Menschen.“ Selbst wenn der Schuldige bereit war, sein Versagen zu bekennen, so war doch das Unternehmen, bei dem er arbeitete, sehr vorsichtig mit einem öffentlichen Eingeständnis. Ein Schuldbekenntnis eines Angestellten konnte leicht ein schlechtes Licht auf die ganze Organisation werfen, es konnte noch dazu führen, andere Mängel und Unregelmäßigkeiten ans Licht zu bringen. Außerdem hätte ein Eingeständnis der ganzen Schuld unüberschaubare finanzielle Folgen gehabt. So ist es verständlich, dass die Vorgesetzten und Kollegen des Schuldigen an einem öffentlichen Bekenntnis nicht interessiert waren. Dazu kommt, dass bei solch einem Desaster meist mehrere Faktoren und Fehler zusammen wirken. Also müsste die Schuld gerechterweise auf viele Schultern verteilt werden. Schuld einzugestehen kann recht gefährlich nachteilig werden, für einen selbst und für andere Personen.
Wir könnten noch manche andere Gründe nennen, weshalb es so schwer ist, Buße zu tun. Man kann sich immer damit rechtfertigen, dass andere noch schlimmere Dinge getan haben und sich nicht dazu bekannt haben. Man kann argumentieren, dass es nicht nötig sei, hier seine Schuld zuzugeben, oder dass vielleicht andere gefährdet werden. Wer z.B. einen Raub oder einen Betrug bekennen muss, der wird ja auch meistens seine Mittäter nennen müssen. Man kann auch darauf verweisen, dass echte Buße eine Herzenssache ist. Etwas, was man nicht erzwingen kann. Und auf dieses Problem möchte ich noch kurz eingehen.
IV
In seinem Ruf zur Buße sagt der Prophet Joel. 13 Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider!« Ja, kehrt um zum Herrn, eurem Gott!“ und weiter: „Ruft einen Fasttag aus, ordnet einen Bußgottesdienst an! 16 Versammelt das Volk und sorgt dafür, dass es rein vor den Herrn tritt!“
Es geht Gott also darum, dass die Menschen von Herzen Buße tun. Es soll nicht nur eine Zeremonie, nicht eine Formsache oder eine leeres Lippenbekenntnis, sondern ein wirkliches Herzensanliegen sein. Anscheinend ist aber das äußere Zeichen, das Zerreißen der Kleider, das Fasten, der Bußgottesdienst nicht unwesentlich. Es gehört auch zu Buße. Die Leute sollen sich mit ihrem Versagen beschäftigen, sie sollen vor Gott treten und Vergebung suchen. Ob es aber wirklich bis ins tiefste Innerste geht, das ist wohl eine Sache, die wir nicht in der Hand haben. Ich habe früher in der Liturgie im Gottesdienst der Landeskirche sehr oft meine Sünde bekannt und um Gottes Gnade und Erbarmen gefleht. Aber weder waren mir einzelne Sünden bewusst, noch habe ich je Gottes Gnade und Erbarmen erkannt. Es war alles eine Formsache, die mein Leben und mein Verhältnis zu Gott überhaupt nicht erreichte. So mag es vielen Leuten gehen, die heute ihre Schuld bekennen, die einen Mitmenschen oder Gott um Vergebung bitten: Es erreicht das Herz nicht und es verändert die Einstellung zu Gott nicht, zur Sünde nicht und zum Nächsten nicht. Diese leeren Bekenntnisse haben den Herrn sicher oft traurig oder zornig gemacht. Aber ich muss auch aus eigener Erfahrung sagen, dass es Zeiten gibt, wo man nicht zu einer tiefen Buße finden kann. Man möchte vielleicht Veränderung, ein reines Gewissen und ein besseres Verhältnis zu Gott, aber irgendwie bleibt das Herz unberührt. Es scheint, als müsse Gott selbst, durch seinen Heiligen Geist in uns diese wahre Buße, die Traurigkeit über die Sünde, die Reue und den Glauben an die Vergebung bewirken. Vielleicht ist die Stimme eines Propheten nötig, um die eigenen Sünden zu erkennen. Vielleicht brauchen wir die Schrecken und Leiden einer Katastrophe, um einmal in uns zu gehen. Oder wir müssen erst die eine Sünde begehen, die uns in heiliges Erschrecken versetzt? Aber sicher helfen auch Gottesdienste, Evangelisationen und gewisse Rituale zur wahren inneren Buße. Wahrheit ist, dass wir alle hin und wieder eine gründliche Reinigung unseres Gewissens, Vergebung und Versöhnung brauchen, und dass die Folgen einer echten Buße befreiend und beglückend sein können.
Wir beten.
Ja, Herr, keiner von uns ist ohne Schuld. Manchmal sind wir uns dessen bewusst, finden aber nicht zu einer echten Buße und Umkehr. Oft können wir aber unsere Sünde und Schuld gar nicht einsehen. So erfahren wir auch nicht den Segen und die Befreiung, die Vergebung mit sich bringt. Wir bitten Dich, gib uns die Gnade, echte Buße zu tun, wo es angesagt ist. Amen.