Mittwoch, 7. Mai 2008
Das Kommen des Heiligen Geistes - was ist richtig?
Joel 3, 1 – 5 und 4, 1 -13
Der bekannteste Abschnitt aus dem sonst weniger bekannten Buch des Propheten Joel sind sicher die ersten Verse aus dem 3. Kapitel. Diese Worte werden in der Apostelgeschichte von Petrus zitiert, nachdem der Heilige Geist wie Feuerflammen auf die Jünger gekommen war. Das verstehen wir als die Geburtsstunde der Gemeinde Jesu Christi und den eigentlichen Beginn des Neuen Bundes. Wir wollen heute aus dem Buch Joel von Kapitel 3, 1 bis 4, 13 lesen, um den Zusammenhang zu verstehen. Hauptsächlich wird es aber um die Ausgießung des Heilige Geistes gehen, die Joel hier in den ersten beiden Versen ankündigt. Die Frage, die uns dabei am meisten beschäftigen soll ist: Über wen wird der Heilige Geist ausgegossen werden und was wird dadurch entstehen.
1 Weiter sagt der Herr: »Es kommt die Zeit, da werde ich meinen Geist ausgießen über alle Menschen. Eure Männer und Frauen werden dann zu Propheten; Alte und Junge haben Träume und Visionen. 2 Sogar über die Knechte und Mägde werde ich zu jener Zeit meinen Geist ausgießen. 3-4 Dann ist der große und schreckliche Tag nahe, an dem ich Gericht halte. Am Himmel und auf der Erde werden seine Vorzeichen zu sehen sein: Menschen liegen erschlagen in ihrem Blut, Flammen und Rauchwolken steigen auf; die Sonne verfinstert sich und der Mond wird blutrot. 5 Aber alle, die sich zu mir bekennen und meinen Namen anrufen, werden gerettet.« Dann wird geschehen, was der Herr angekündigt hat: »Auf dem Zionsberg in Jerusalem gibt es Rettung - und auch für alle, die unter die Völker zerstreut sind; denn ich rufe sie zurück.«
1 Der Herr sagt: »Wenn die Zeit kommt, dass ich für Juda und Jerusalem alles wieder zum Guten wende, 2 werde ich alle Völker zusammenrufen und sie in das Tal führen, das den Namen trägt Der Herr richtet. Dort ziehe ich sie zur Rechenschaft für das, was sie meinem Volk Israel angetan haben, diesem Volk, das mein Eigentum ist. Sie haben es unter die Völker zerstreut, haben mein Land aufgeteilt1 3 und seine Bewohner durchs Los unter sich verteilt. Mit einem Jungen hat man da für die Nacht bei einer Prostituierten bezahlt, ein Mädchen hat man für den Wein eines Zechgelages verkauft. 4 Ihr Leute von Tyrus und Sidon und ihr Philister alle, ihr wollt gegen mich vorgehen? Ihr wollt euch an mir rächen? Ich habe vielmehr Grund, mich an euch zu rächen! Im Handumdrehen lasse ich eure Untaten auf euch zurückfallen.2 5 Ihr habt mein Silber und Gold weggenommen und meine kostbaren Schätze in eure Paläste gebracht. 6 Die jungen Männer aus Juda und Jerusalem habt ihr an die Griechen verkauft und weit weg von ihrer Heimat in die Fremde geschafft. 7 Aber ich rufe sie von dort zurück und lasse eure Untaten auf euch selbst zurückfallen. 8 Eure eigenen jungen Leute, die Männer und auch die Mädchen, werde ich dann den Leuten von Juda ausliefern und die werden sie weit weg in die Fremde, an die Leute von Saba, verkaufen. Ich habe es gesagt, ich, der Herr. 9 Ruft unter den Völkern aus: Rüstet euch zum Kampf! Stellt eure Truppen auf! Lasst alle eure wehrfähigen Männer antreten und marschieren! 10 Schmiedet aus euren Pflugscharen Schwerter, macht aus euren Winzermessern Speerspitzen! Noch der Schwächste soll erklären: Ich kämpfe wie ein Löwe! 11 Kommt her, ihr Völker, kommt von allen Seiten!« Und wenn sie dort versammelt sind, dann lass, Herr, deine starken Engel gegen sie antreten!3 12 »So sollen die Völker aufgeboten werden und in das Tal mit dem Namen Der Herr richtet ziehen. Dort werde ich auf dem Richterstuhl sitzen und sie zur Rechenschaft ziehen, alle die Völker ringsum. 13 Nehmt die Sichel, die Ernte ist reif! Tretet die Kelter, sie ist bis zum Rand gefüllt! Das Maß ist voll; die Schuld der Völker ist riesengroß.«
II
Diese Worte des Propheten sind mutig und machtvoll. Sie wirken schon ohne irgendeine Erklärung oder Auslegung. Vielleicht sind Dir auch jetzt schon einige Sätze ins Herz gefallen und Du sagst. „Jawohl, so ist es! Sag’s ihnen! Die Ungerechtigkeit muss aufhören.“ Oder „Endlich greift Gott ein! Wie gut, dass wir einen Erretter haben, der die Strafe für uns trug.“ – Der gelesene Abschnitt enthält so manche Gesichtspunkte, die einer näheren Betrachtung oder Ausführung wert wären. Aber ich möchte heute nur die Aussage am Anfang dieses 3. Kapitels beleuchten. Da heißt es: »Es kommt die Zeit, da werde ich meinen Geist ausgießen über alle Menschen. Eure Männer und Frauen werden dann zu Propheten; Alte und Junge haben Träume und Visionen.1 2 Sogar über die Knechte und Mägde werde ich zu jener Zeit meinen Geist ausgießen. 3-4 Dann ist der große und schreckliche Tag nahe, an dem ich Gericht halte.“ – Wer sich ein wenig in der Bibel auskennt wird sich wundern, dass dieser Satz im Alten Testament bei den kleinen Propheten steht. Er kannte ihn doch aus dem Neuen Testament und zwar aus der Apostelgeschichte. Richtig! Dieser Abschnitt wird doch fast an jedem Pfingstfest gelesen, wenn es um den Heiligen Geist geht. Die Worte in der Apostelgeschichte sind tatsächlich ein Zitat aus dem Buch Joel. Petrus wendet die Prophetie an, um den verwunderten Menschen am Pfingsttag zu erklären, was hier geschieht. Es wird nämlich berichtet, dass es plötzlich es ein mächtiges Rauschen gab, wie wenn ein Sturm vom Himmel herabweht. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. 3 Dann sahen sie etwas wie Feuer, das sich zerteilte, und auf jeden ließ sich eine Flammenzunge nieder. 4 Alle wurden vom Geist Gottes erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden, jeder und jede, wie es ihnen der Geist Gottes eingab. 5 Nun lebten in Jerusalem fromme Juden aus aller Welt, die sich hier niedergelassen hatten. 6 Als sie das mächtige Rauschen hörten, strömten sie alle zusammen. Sie waren ganz verwirrt, denn jeder hörte die Versammelten, die Apostel und die anderen, in seiner eigenen Sprache reden. 7 Außer sich vor Staunen riefen sie: »Die Leute, die da reden, sind doch alle aus Galiläa!“ – Alle diese Erscheinungen werden von Petrus mit der Verheißung aus Joel in Verbindung gebracht. Wir kennen dieses Ereignis als die Ausgießung des Heiligen Geistes. Tatsächlich wird ja dieser Begriff auch gebraucht: „»Es kommt die Zeit, da werde ich meinen Geist ausgießen über alle Menschen. Eure Männer und Frauen werden dann zu Propheten; Alte und Junge haben Träume und Visionen.1 2 Sogar über die Knechte und Mägde werde ich zu jener Zeit meinen Geist ausgießen.“
Es ist schon mal sehr hilfreich, dass Petrus die Prophetie mit den aktuellen Ereignissen in Verbindung bringt. Dann können wir uns besser vorstellen, wie so eine Prophezeiung Wirklichkeit wird. Das Verb „ausgießen“ ist ja auch sehr anschaulich. Es erinnert an Wasser, das aus einem Behälter weitflächig verteilt wird. Oder es zeigt, wie das Wasser ein leeres Gefäß füllt. Trotzdem bleiben bei diesen Beschreibungen noch viele Fragen offen, die häufig zu Missverständnissen und Streit unter Christen geführt haben. Dazu möchte ich auch noch etwas sagen.
III
Wenn Joel hier von der Ausgießung des Heiligen Geistes spricht, dann sehen wir im Zusammenhang, dass es eine Folge der Buße ist. Im Buch des Propheten geht es ja einmal um die Heuschreckenplage, die als Gericht über das Volk Israel kommt. Durch dieses Gericht sollen die Menschen auf den Ernst und die Abscheulichkeit ihrer Sünden und Vergehen aufmerksam gemacht werden. Daraus soll dann ihre Buße, die Abkehr von den falschen Verhaltensweisen und Werten im Leben und die Hinkehr zu Gott erfolgen. Das wiederum führt zur Errettung und Bewahrung vor dem endgültigen Strafgericht und dem furchtbaren Tag des Herrn. Die Ausgießung des Heiligen Geistes ist also eine Konsequenz der Buße und Hinkehr zu Gott. Wer sich dem Herrn zuwendet und ihn anruft, wird den Segen Gottes erfahren. Wenn das so ist, dann werden wir verstehen, dass der Heilige Geist nur auf solche Menschen kommen kann, die die Voraussetzungen erfüllen – die also Buße getan haben. Der Prophet sagt zwar, dass „Gott seinen Geist über alle Menschen ausgießen wird.“ Aber es ist selbstverständlich, dass da nicht wirklich alle gemeint sind – jedenfalls nicht solche, die von Gott nichts wissen wollen, die ihr Leben gar nicht ändern wollen.
Andererseits könnte es aber auch sein, dass die Ausgießung des Heiligen Geistes eine Voraussetzung dafür ist, dass Menschen Buße tun können. Ohne den Heiligen Geist kann eigentlich niemand seine Sünde erkennen. Der unerlöste Mensch hört nicht die Stimme Gottes, die ihn in Liebe zur Umkehr und zum Heil ruft. So gesehen müssen wir eigentlich warten, bis Gott seinen Geist ausgießt, damit wir unsere Schuld und Verlorenheit einsehen und nach Vergebung und Rettung suchen können. Wer heute in Europa versucht, Menschen zu Evangelisieren, wird immer an Grenzen stoßen. Es ist, als haben die Leute eine Decke vor den Augen. Sie sehen das Licht und die Wahrheit nicht. Unsere Argumente, Mahnungen, Drohungen und alle Bemühungen zeigen keinen Erfolg. Deshalb haben sich Bewegungen gebildet, die sich weniger an die Mitmenschen, als vielmehr an Gott wenden. Sie setzen ihre Hoffnung auf das Gebet. Also rufen sie zu Gott, dass er den Heiligen Geist in ihrer Stadt, in ihrem Land ausgießen möchte, damit endlich Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und Buße tun.
Jeder dieser beiden Standpunkte findet Unterstützung sowohl in der Bibel, als auch in unserer Erfahrung. Wir müssen vielleicht aufpassen , dass wir die beiden Positionen nicht gegeneinander ausspielen und uns als Christen im Dienst für den Herrn behindern. Wir brauchen sicher beides: Das Flehen um die Ausgießung des Heiligen Geistes, damit die verstockten und verlorenen Menschen Buße tun können und auf der anderen Seite den Ruf zur Buße und Umkehr zu Gott, damit Er Seinen Geist senden und heilen und retten kann.
********
IV
Ich habe mich gefragt, warum der Joel bei der Prophetie über die Ausgießung des Heiligen so viel Wert darauf legt, bestimmte Menschengruppen extra zu nennen. Er sagt ja: „Eure Männer und Frauen werden dann zu Propheten; Alte und Junge haben Träume und Visionen. Sogar über die Knechte und Mägde werde ich zu jener Zeit meinen Geist ausgießen.“ Wir sind in der Auslegung gewohnt, dass hier die Betonung auf den Träumen und Visionen und gewissen Geistesgaben liegt, die mit der Ausgießung des Heiligen Geistes kommen sollen. Aber es kann auch sein, dass Joel seine Betonung darauf legen möchte, dass der Heilige Geist nicht nur Propheten und geistlichen Leitern vorbehalten bleibt. Er wird auch auf Laien, auf Ungelehrte, auf Frauen, Kinder und sogar Knechte und Mägde kommen. Bisher hatten die Israeliten im Alten Testament nur erlebt, dass besonders berufene Personen mit dem Heiligen Geist ausgerüstet wurden. Da waren die großen Propheten Jesaja, Jeremia, Hesekiel, - oder Männer wie Daniel, Mose, Josua, einige Richter, wie Samuel, oder Könige wie Saul, David und Salomo. Der Heilige Geist war nicht für das einfache Volk bestimmt. Es sollte aber ein besonderer Tag kommen, an dem alle Menschen, (oder sollte ich sagen: alle gottesfürchtigen Menschen?) in den Genuss dieser guten Gabe Gottes kommen sollten.
Das Kommen des Geistes wird von Joel als eine geistliche Erweckung verstanden. Der Heilige Geist ermöglicht eine neue, freundschaftliche Beziehung zu Gott. Freude kommt auf an Gott und seinen Gaben. Gott selbst teilt sich auch den einfachen Menschen, dem Volk auf übernatürliche Weise durch Träume und Visionen mit. Die Erweckung bringt das Ende von Formalismus, Heuchelei, widerspenstigem Gehorsam und Ärger über Gottes Gebote.
Die Ausgießung des Heiligen Geistes ist aber auch ein Zeichen dafür, dass das Gericht nahe bevor steht. Es ist vielleicht eine letzte Gelegenheit, sich an Gott zu wenden und um Rettung zu bitten.
Wie so viele andere prophetische Worte der Bibel, so ist auch die Ausgießung des Heiligen Geistes ein Ereignis, das schon geschehen ist, bei der Pfingstpredigt des Apostels Petrus kurz nach Jesu Tod und Auferstehung. Es ist aber auch ein Ereignis, das heute immer wieder stattfindet, wo Menschen sich in Buße, mit der Bitte um Errettung an Gott wenden. Und die Ausgießung des Heiligen Geistes - in einem mehr globalen Sinn - ist ein zukünftiges Ereignis, das das Ende der Welt einleiten wird.
Wir beten:
Herr, danke, dass Du uns den Heiligen Geist sendest, der uns die Kommunikation mit Dir ermöglicht. Gieße diesen Geist auch heute über uns und unsere Mitmenschen aus, damit viele Dich erkennen und bei Dir Heil und Rettung finden Amen.
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