Samstag, 12. April 2008

Was aus einer Katastrophe entstehen kann.



Gott hat eine furchtbare Plage über sein Volk kommen lassen. Nun gibt er ziemlich genaue Anweisungen, was das Volk tun soll, um das Unheil abzuwenden. Wir lesen in Joel Kapitel 2 die Verse 15-27 -

Joel 2, 15 – 27

15 Blast das Horn auf dem Zionsberg! Ruft einen Fasttag aus, ordnet einen Bußgottesdienst an! 16 Versammelt das Volk und sorgt dafür, dass es rein vor den Herrn tritt! Vom Säugling bis zum Greis sollen alle zusammenkommen. Selbst die Brautleute sollen aus der Hochzeitskammer kommen! 17 Die Priester, die Diener des Herrn, sollen auf dem Platz zwischen Tempel und Altar weinen und beten: »Herr, hab Erbarmen mit deinem Volk! Wir sind doch dein Eigentum! Tu uns nicht die Schande an, dass fremde Völker über uns herrschen. Lass nicht zu, dass Fremde über uns spotten und sagen: Wo ist nun ihr Gott?«3
18 Da erwacht im Herrn die brennende Liebe für sein Land und das Erbarmen mit seinem Volk. 19 Er antwortet ihnen: »Verlasst euch darauf: Ich gebe euch so viel Korn, Wein und Öl, dass ihr euch daran satt essen könnt. Ihr werdet den Völkern nicht mehr zum Spott dienen. 20 Denn ich rette euch vor dem Feind aus dem Norden. Seine Vorhut treibe ich ins Tote Meer und seine Nachhut ins Mittelmeer; sein ganzes übriges Heer jage ich in die Wüste, wo es vernichtet wird. Die Leichen werden die Luft mit ihrem Gestank erfüllen. So bestrafe ich ihn für seine Prahlerei.«4 21 Ihr Felder, habt keine Angst mehr, freut euch und jubelt! Der Herr hat Großes getan. 22 Ihr Tiere auf freiem Feld, habt keine Angst mehr! Die Weiden in der Steppe sind wieder grün. Auch die Bäume tragen wieder Frucht; Feigenbaum und Weinstock bringen reichen Ertrag. 23 Ihr Bewohner des Zionsberges, freut euch und jubelt über den Herrn, euren Gott! Er erweist euch seine Güte und schickt euch Regen wie zuvor, Frühregen im Herbst und Spätregen im Frühjahr. 24 Auf den Dreschplätzen häuft sich das Getreide und in der Kelter laufen die Wannen über von Most und Öl. 25 Der Herr sagt: »Ich habe mein großes Heer gegen euch geschickt. Aber jetzt ersetze ich euch die Ernten, die die Heuschreckenschwärme vernichtet haben.5 26 Ihr werdet euch richtig satt essen können. Dann werdet ihr mich, euren Gott, preisen, weil ich solche Wunder für euch getan habe. Nie mehr werden die anderen Völker über mein Volk spotten. 27 Daran werdet ihr Leute von Israel erkennen, dass ich, der Herr, in eurer Mitte bin, dass ich euer Gott bin und sonst keiner. Nie mehr überlasse ich mein Volk der Schande.«

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II
In der guten alten Zeit wurden Kriege und Katastrophen oft noch anders gesehen als heute. Sehr oft brachte man z.B. ein Gewitter, einen Vulkanausbruch, eine Dürre oder Seuche mit übernatürlichen Mächten in Verbindung. Sofort dachten die Menschen daran, dass irgendwelche Geister oder ein Gott zornig auf sie waren. Anders konnte man sich diese Schicksalsschläge auch kaum erklären. Dieser Zorn der Götter musste dann besänftigt werden, um das Unheil abzuwenden. Dafür gab es verschiedene Rituale und Vorschriften. Eine große Rolle spielten dabei die Demütigung vor Gott und das Opfer. War die Not und Verzweiflung erst zu groß, wurden in manchen Religionen sogar Menschenopfer gebracht.
Geschichten von Bußritualen finden wir auch in der Bibel. Da werden die Zeremonien bei den Israeliten, ebenso wie die bei Völkern mit einer anderen Religion beschrieben. Aber auch in unserer europäischen Kultur kennt man Buß- und Bettage. In dem Online Nachschlagewerk WIKIPEDIA steht z.B. folgendes:
„Gemeinsame Bußzeiten waren schon in der Antike bekannt. Im Mittelalter gab es zweierlei Bußtage: Die einen wurden bei Bedarf von der Obrigkeit angeordnet, die anderen, die Quatembertage etwa, ergaben sich aus der kirchlichen Ordnung. Den ersten Bettag feierte man, auf kaiserliche Anordnung hin und wegen der Türkengefahr, im Jahr 1532 in Straßburg.“ Soweit das Zitat. Schauen wir uns die Gründe für solche besonderen Tage an, so finden wir mehrere Gesichtspunkte.
1.- Bußtage waren eine Reaktion auf eine Katastrophe, einen Krieg, eine Seuche. Das Unglück wurde als ein Ruf zur Umkehr und neuen Hinkehr zu Gott verstanden. Mit der Zeremonie sollte Gott gnädig gestimmt und das Unheil abgewendet werden.
2.- Gab es Bußtage vor einer großen Gefahr – also noch bevor das drohende Unheil die Menschen traf. Kommende Katastrophen konnte man noch nicht so weit im Voraus sehen wie heute, aber sich anbahnende Kriege z.B. oder verheerende Seuchen ließen sich doch schon erkennen. Vor allem aber gab es Vorhersagen und Prophezeiungen von Priestern, Propheten oder Gottesmännern. Wer klug war, ließ sich durch die drohenden Gefahren zum Nachdenken über sein Verhältnis zu Gott anregen. Schon im römischen Reich gab es die „feriae piaculares“, also so etwas wie Tage der Einkehr, die Not und Kriegsgefahr abwenden sollten.
3.- Bußtage wurden auch ohne einen akuten Anlass eingesetzt. Sie hatten den Sinn, die Moral des Volkes zu bewahren und Verrohung, Unsittlichkeit und Korruption vorzubeugen. Bußtage hatten eine Wächterfunktion und sollten die Menschen vor Schuld bewahren.

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III
4.- Außerdem sollten die Bußtage dem Einzelnen helfen, sein Gewissen vor Gott zu prüfen Und Korrekturen in seinem Wandel und seiner Einstellung vorzunehmen.
5.- Ging es natürlich auch um das Bekennen von Sünden. Die Priester der Kirchen traten dann für die Schuld des Volkes oder der Regierung ein und beteten um Vergebung und Versöhnung. Das belastete Gewissen sollte wieder gereinigt werden. Sehr stark haben wir diesen Aspekt ja noch bei unserer heutigen Art, den Karneval zu feiern. Da folgt auf die Zeit der Ausschweifung und Sittenlosigkeit der Aschermittwoch, an dem dann Buße für alle Sünden getan wird.
Also nicht nur Joel oder die Propheten im Alten Testament riefen zur Buße und Umkehr auf, sondern auch Priester in anderen Religionen und Kulturen und Herrscher im Mittelalter in Europa. Echte Buße kann sicher sehr heilsam und segensreich sein. Das sehen wir auch besonders im Buch Joel im 2. Kapitel. Zunächst fordert der Prophet die Leute noch einmal eindringlich dazu auf, Buße zu tun:
„Blast das Horn auf dem Zionsberg! Ruft einen Fasttag aus, ordnet einen Bußgottesdienst an! 16 Versammelt das Volk und sorgt dafür, dass es rein vor den Herrn tritt! Vom Säugling bis zum Greis sollen alle zusammenkommen. Die Priester, die Diener des Herrn, sollen auf dem Platz zwischen Tempel und Altar weinen und beten: »Herr, hab Erbarmen mit deinem Volk! Wir sind doch dein Eigentum!“ Soweit der Aufruf des Propheten. – Was daraufhin geschieht, erstaunt und erfreut uns.
Offensichtlich sind die Priester und das Volk dem Ruf des Propheten gefolgt. Wenn wir das Kapitel weiter lesen, bekommen wir den Eindruck, dass Gott auf das Schuldbekenntnis und die Umkehr des Volker reagiert. Aber seine Antwort ist ein Versprechen - etwas, das in der Zukunft liegt. So gilt immer noch die Bedingung: zuerst Buße zu tun. Auf die Gerichtsdrohungen folgen dann die Verheißungen und Liebesbeweise Gottes. Was alles durch Sündenbekenntnis und Umkehr geschehen kann ist erstaunlich. Der Prophet zählt es im Einzelnen auf.
1.- Gottes Verhältnis zu seinem Volk wird sich umkehren. In Vers 18 heißt es: „Da erwacht im Herrn die brennende Liebe für sein Land und das Erbarmen mit seinem Volk.“ Diese Veränderung beruht auf Gegenseitigkeit. Wo das Volk seine Einstellung gegen Gott ändert, da ändert sich auf einmal auch Gottes Einstellung. Wo Gott seinem Volk in den Gerichtsandrohungen zuerst grausam und unbarmherzig begegnete, ist er jetzt voll brennender Liebe und Erbarmen. - Das erinnert mich an Worte aus dem 18. Psalm wo es heißt: „Den Treuen, Herr, hältst du die Treue; für vollen Gehorsam gibst du volle Güte; 27 den Reinen zeigst du dich in reiner Klarheit; doch den Falschen begegnest du als Gegner. 28 Die Erniedrigten rettest du aus Unterdrückung, aber die Hochmütigen holst du vom hohen Ross.“ Für mich bedeutet das Folgendes: Wenn sich jemand über Gott beklagt, ihn kritisiert und angreift, dann sagt das in erster Linie etwas über das Verhältnis dieser Person zu Gott aus. Wer ein reines Gewissen hat, der kennt Gott als den Herrn voller Liebe und Erbarmen. So ändert sich nach einer tiefgreifenden Buße unser Bild von Gott radikal.
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IV
2.- Nach der Buße wird Gott Segen ausschütten. Wo erst Vernichtung, Dürre, Hunger und Not herrschten, wird jetzt Erstattung und Überfluss kommen. Gott läßt durch den Propheten sagen: »Verlasst euch darauf: Ich gebe euch so viel Korn, Wein und Öl, dass ihr euch daran satt essen könnt. Die Weiden in der Steppe sind wieder grün. Auch die Bäume tragen wieder Frucht; Feigenbaum und Weinstock bringen reichen Ertrag. 23 Ihr Bewohner des Zionsberges, freut euch und jubelt über den Herrn, euren Gott! Er erweist euch seine Güte und schickt euch Regen wie zuvor. 24 Auf den Dreschplätzen häuft sich das Getreide und in der Kelter laufen die Wannen über von Most und Öl. 25 Der Herr sagt: »Ich habe mein großes Heer gegen euch geschickt. Aber jetzt ersetze ich euch die Ernten, die die Heuschreckenschwärme vernichtet haben. 26 Ihr werdet euch richtig satt essen können.“ Durch die Buße des Volkes werden also nicht nur die negativen Effekte der Plage aufgehalten, sondern Gott erstattet allen Schaden in reichem Maße. Er schüttet Segen im Überfluss aus. Es geht den Leuten wieder richtig gut.
3.- Eine weitere Folge der Buße wird sein, dass Gott die Feinde Israels bestraft und vernichtet. Er verheißt seinem Volk.: „Ihr werdet den Völkern nicht mehr zum Spott dienen. 20 Denn ich rette euch vor dem Feind aus dem Norden. Seine Vorhut treibe ich ins Tote Meer und seine Nachhut ins Mittelmeer; sein ganzes übriges Heer jage ich in die Wüste, wo es vernichtet wird. Die Leichen werden die Luft mit ihrem Gestank erfüllen. So bestrafe ich ihn für seine Prahlerei.« - Also auch hier wird Gott sein Volk nicht nur vor Feinden bewahren und schützen - Er wird die Feinde vernichten und ausrotten. Was erst Israel für ihren Ungehorsam angedroht war, soll jetzt den Widersachern und Gottlosen geschehen.
Wenn wir heute etwas von Buße und Umkehr hören, dann entsteht oft der Gedanke, dass wir jetzt kein Vergnügen und keine Freude mehr haben werden. Wir fürchten, dass wir auf vieles verzichten müssen und unser Leben traurig und eintönig und voller Entbehrungen werden muss. Deshalb wollen viele Menschen nur nichts von Buße hören. Der Prophet Joel zeigt uns aber in diesem Abschnitt, dass Sündenbekenntnis und Umkehr zu neuer Freude und Freiheit und zu reichem Segen auf verschiedenen Gebieten führen kann. Darum sollten wir auch nicht vor dem Wort Gottes fliehen, sondern uns zeigen lassen, wo und wie wir richtig Buße tun können.
Wir beten noch: Herr, Buße ist nicht eine einfache Sache. Darum bitten wir Dich, hilf uns unsere Schuld und eigenen Wege zu erkennen und von Herzen umzukehren und Dir nachzufolgen. Amen.

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